Der Campingplatz Hahn in Lehmden liegt seit 2024 still. Wir möchten ihn wiederbeleben – mit kleinen Häusern auf großzügigen Parzellen, mit Camping am Wasser und mit einem Naturbad, das weiterhin allen offensteht.
Der Ort
Das Naturbad und der Campingplatz Hahn liegen im Rasteder Ortsteil Lehmden, in einer ruhigen, wald- und wiesenreichen Umgebung. Rund 150 Stellplätze, drei Gebäude, zwei Wasserflächen – und eine Geschichte, die in vielen Familien der Umgebung vorkommt.
Zum 30. April 2024 kündigte die Gemeinde das Pachtverhältnis mit dem bisherigen Betreiber. Über dessen Vermögen wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet; die Räumung des Geländes zieht sich seither hin. Im April 2025 übergaben über 1.000 Bürgerinnen und Bürger aus Hahn‑Lehmden und Umgebung eine Unterschriftensammlung für den Erhalt. Im November 2025 beschloss der Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Bauen: Das Naturbad bleibt Bestandteil des Areals, die Nutzung bleibt touristisch und freizeitorientiert – ergänzende Nutzungsformen sind ausdrücklich erwünscht.
Im Mai 2026 hat die Gemeinde Rastede dazu einen öffentlichen Aufruf zur Interessenbekundung veröffentlicht. Wir beteiligen uns an diesem Verfahren nicht mit einer formalen Bewerbung, möchten der Gemeinde aber unsere Idee vorstellen und bleiben am weiteren Verlauf ausdrücklich interessiert.
Die Idee
Ein Naturbad trägt sich allein nicht. Das ist keine Vermutung, sondern steht so in den Unterlagen der Gemeinde: Ein klassischer Weiterbetrieb sei für private Investoren wirtschaftlich herausfordernd. Wer den Erhalt des Bades ernst meint, muss also erklären, wovon es bezahlt wird.
Unsere Antwort ist ein Tiny‑House‑Dorf. Kleine, hochwertige Häuser auf großzügigen, naturnah gestalteten Parzellen – nicht dichte Bebauung, sondern das Gegenteil davon. Die Grundstücke bleiben in einer Hand und werden verpachtet; die Häuser gehören denen, die darin wohnen oder Urlaub machen. Daraus entstehen laufende, wetterunabhängige Einnahmen, die den Badbetrieb mittragen können.
Dass dieses Modell funktioniert, zeigen Projekte auf vergleichbaren Flächen: das Tiny House Village Mehlmeisel im Fichtelgebirge, die Siedlung Tewswoos in der Elbtalaue, die Tiny‑House‑Siedlung bei Karlsruhe‑Ettlingen. Alle drei arbeiten mit Pacht statt Verkauf, alle drei liegen in landschaftlich sensibler Umgebung.
Das Areal bleibt als Ganzes erhalten und wird nicht parzelliert veräußert. Wer hier baut, pachtet den Boden langfristig – das bindet Betreiber und Bewohner gleichermaßen an den Ort.
Kurzzeit-Camper und Bad zuerst, Tinyhouses zur Vermietung danach, das permanente Wohnen zuletzt. Jede Stufe finanziert einen Teil der nächsten, statt alles von einer einzigen großen Investition abhängig zu machen.
Das Naturbad bleibt öffentlich zugänglich, die Gastronomie ist ein Angebot für den Ort und nicht nur für Gäste. Vereine sollen Flächen und Räume mitnutzen können.
Das Naturbad
Ein Tiny‑House‑Dorf lässt sich an vielen Orten bauen. Eines an einem Naturbad, das seit Jahrzehnten zum Dorf gehört, gibt es nur hier.
Mitglied werden kann jede und jeder. Wer nicht mitarbeiten kann, zahlt einen Ausgleich.
Wir haben uns angesehen, was der Betrieb des Bades tatsächlich verlangt. Das Becken wurde bisher einmal jährlich vollständig entleert, im Frühjahr wurden je nach Verschmutzung 30 bis 60 cm der oberen Sandschicht ausgetauscht und das Becken aus dem vorhandenen Grundwasserbrunnen wieder befüllt.
Das Wasser ist dabei nicht das Problem. Die wasserrechtliche Entnahmegebühr liegt bei rund sieben Cent je Kubikmeter – bei 6.500 bis 8.500 m³ im Jahr sind das etwa 500 bis 650 Euro. Der Aufwand steckt in Sandaustausch, Aufsicht, Sanitär und Instandhaltung. Genau diese Posten lassen sich aus dem Gesamtbetrieb tragen.
Führen soll den Badbetrieb ein eigens gegründeter Trägerverein, offen für alle aus Hahn‑Lehmden und Umgebung. Grundstück, Technik, Sanitärgebäude, Sandaustausch und das wirtschaftliche Risiko bleiben bei uns als Betreiber. Die Badeaufsicht kalkulieren wir als bezahlte Position – ehrenamtliche Unterstützung aus DLRG und Ortsvereinen ist eine Ergänzung, kein Ersatz.
Offen für alle, ab dem ersten Tag. Neben der Mitgliedschaft wird es Tageskarten zu ortsüblichen Preisen geben. Für Einwohnerinnen und Einwohner der Ortschaft ist ein vergünstigter oder freier Zugang vorgesehen, dazu Angebote für Schulen, Kindergärten und Vereine außerhalb der Hauptzeiten. Ein Bad, für das über 1.000 Menschen unterschrieben haben, darf am Ende kein geschlossener Club sein – deshalb sichern wir den Umfang des öffentlichen Zugangs als Betreiber zu, und der Verein entscheidet über alles, was darüber hinausgeht.
Zonierung
Ferien- und Dauernutzung vertragen sich gut, solange sie sich nicht überlagern. Wer dauerhaft hier lebt, soll nicht im Durchgangsverkehr der Wochenendgäste liegen. Deshalb teilen wir das Areal in drei funktional getrennte Bereiche.
Tinyhouses und Modulhäuser als Dauerwohnform. Parzellen werden langfristig verpachtet, die Häuser gehören den Pächtern. Ein Gemeinschaftshaus mit Waschküche, Werkstatt und Aufenthaltsraum bildet den sozialen Mittelpunkt, Stellplätze liegen gebündelt am Rand.
Tinyhouses zur Kurzzeitvermietung an Feriengäste, erreichbar über die vorhandene Erschließung. Dieser Bereich erzeugt die Frequenz, die Gastronomie und Badbetrieb brauchen.
Flexibel nutzbare Stellplätze für klassisches Camping und Wohnmobile, deren Anzahl sich saisonal an die Nachfrage anpassen lässt. Direkt am Naturbad und in der Nähe der Gastronomie.
Die private Wasserfläche (rund 9.730 m²) bleibt unbebaut und wird als Ruhegewässer erhalten.
Der Bebauungsplan Nr. 40 stammt aus dem Jahr 1983, als Beherbergungsformen wie Tiny Houses keine Rolle spielten. Kurzzeit-Camper und die Vermietung ordnen sich der bestehenden Campingplatz- und Freizeitnutzung unter. Das permanente Wohnen setzt nach unserem Verständnis eine Anpassung des Bebauungsplans voraus, die die Gemeinde je nach Konzept ausdrücklich nicht ausschließt. Ob und in welcher Form das möglich ist, würden wir gerne gemeinsam mit der Verwaltung klären.
Für die Gemeinde Rastede
Die Gemeinde schätzt den Investitionsbedarf für die Wiederinbetriebnahme überschlägig auf mehr als 1,5 Mio. Euro. Wir halten diese Größenordnung für realistisch und planen entsprechend in Stufen, statt eine Zahl zu nennen, die im ersten Winter nicht hält.
Das Betriebsleiterwohnhaus wird instand gesetzt und als Betriebs- und Empfangsgebäude genutzt – Präsenz vor Ort ist für uns Voraussetzung, nicht Option. Das Sanitärgebäude hat Priorität, weil Camping- und Badbetrieb davon gleichermaßen abhängen. Beim Gastronomiegebäude entscheidet eine Bausubstanzprüfung, ob Sanierung oder Ersatzneubau wirtschaftlicher ist.
Zu unseren finanziellen Möglichkeiten machen wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben. Die Finanzierung würden wir in einem nächsten Schritt gerne konkret besprechen.
Bewertet werden Erfahrung, wirtschaftliche und organisatorische Leistungsfähigkeit sowie die langfristige Perspektive der Bewerber. Die sechs bestplatzierten Bewerbungen kommen weiter.
Vertieftes Nutzungskonzept mit Wirtschaftlichkeits-, Umsetzungs- und Investitionsplanung sowie einem wirtschaftlichen Angebot an die Gemeinde. Drei Bewerbungen kommen in die letzte Stufe.
Präsentation des Konzeptes vor Ort, anschließend Verhandlungsgespräche und Vorstellung in den zuständigen politischen Gremien der Gemeinde.
Wir stehen für Fragen und Gespräche zur Verfügung und verfolgen den weiteren Verlauf des Verfahrens mit Interesse.
Wohnen und Urlaub im Tinydorf
Noch ist nichts entschieden – aber wenn sich die Möglichkeit ergibt, soll das Tinydorf so funktionieren: Sie bringen Ihr Tiny House mit oder lassen es bauen, wir stellen die erschlossene Parzelle. Kein Grundstückskauf, kein gebundenes Kapital im Boden, dafür eine langfristige Pacht mit planbaren Konditionen.
Erschlossen mit Wasser, Abwasser und Strom mit eigenem Zähler. Großzügig geschnitten, mit Abstand zum Nachbarn und erhaltenem Baumbestand, wo es geht.
Sie entscheiden, ob Sie ein fertiges Tiny House mitbringen, eines bauen lassen oder selbst bauen. Gestaltungsregeln halten wir bewusst knapp – so viel wie nötig für ein stimmiges Bild, so wenig wie möglich.
Ein Gemeinschaftshaus mit Waschküche, Werkstatt und Aufenthaltsraum. Mitmachen ist ein Angebot, keine Pflicht. Und das Naturbad liegt vor der Tür.
Wir können heute weder Pachthöhen noch Termine nennen. Das Areal gehört der Gemeinde Rastede, das Verfahren läuft, und die Entscheidung liegt bei der Gemeinde. Wer sich jetzt meldet, landet auf einer unverbindlichen Interessentenliste – und erfährt als Erstes, wenn es konkret wird.
Kontakt
Ob Sie in Lehmden wohnen und wissen wollen, was aus dem Bad wird, ob Sie sich für eine Parzelle interessieren oder ob Sie aus der Verwaltung kommen und Fragen zum Konzept haben – wir antworten auf alles.
Lars Fleigl / Sascha Remmers
lars.fleigl@sigths.de